Letzte Veranstaltung am 26. April 2012

In Kürze können Sie hier die Eindrücke und den Videomitschnitt der letzten Diskussionsreihe zum Thema "Schuld und Schulden" ansehen.

Die nächste Veranstaltung findet vorraussichtlich im November 2012 statt.

Dann mit dem Thema "Zwischen Wut- und Mutbürger - Potenziale und Risiken der neuen Bürgerinitiativen".

Es diskutierten auf dem Podium:

Prof. Dr. h. c. Lothar Späth
  1. Dr. rer. pol. Oliver Everling

  2. Geschäftsinhaber der Everling Advisory Services
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Joseph Vogl
  1. Joseph Vogl

  2. Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin
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Benjamin Stein
  1. Benjamin Stein

  2. Schriftsteller, Journalist und Publizist
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Die Veranstaltung wurde moderiert von:

Hans-Michael Besig
  1. Hans-Michael Besig

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Impressionen der Veranstaltung

Themenhintergrund:

Schuld und Schulden: ein ewiger Kreislauf?

So lautet der Titel einer Studie über die Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus durch die Bundesregierung. Diese "Wiedergutmachung" vergangenen Unrechts verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen moralischer Schuld und materiellen Schulden. Damit setzte die Bundesrepublik einen Präzedenzfall mit weitreichenden Folgen. Die Hartnäckigkeit, mit der etwa die Türkei bis zum heutigen Tag ihre Verantwortung für den Völkermord an den Armeniern leugnet, wurzelt sicherlich nicht nur in der Blamage des Schuldeingeständnisses, sondern auch in der Befürchtung beträchtlicher finanzieller Forderungen.

Weitaus stärker im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit steht freilich das Nachbarland der Türkei. "Sind die Griechen wirklich selbst Schuld?" gehört zu den Schlüsselfragen der Schuldenkrise, die nicht nur den Euroraum bedroht. Kann man aber einen Staatsbankrott mit moralischen Kategorien beschreiben? Oder doch eher die Begleiterscheinungen der griechischen Malaise: 16 Monatsgehälter, üppige Renten, grassierende Steuerhinterziehung und Dauerstreiks? Ist es billiger Populismus, wenn griechische Politiker den Deutschen die Mitschuld für ihre Schulden geben? Nein, laut dem Historiker Albert Ritschl. Deutschland sei der Schuldenkaiser des 20. Jahrhunderts, der nach dem Zweiten Weltkrieg von einem großzügigen Schuldenschnitt profitierte und der bis zum heutigen Tag Länder wie Griechenland nicht für die herausgepressten Kredite und Besatzungskosten entschädigt hat. Ist also die Rolle des größten Zahlmeisters Europas für das heutige Deutschland angemessen, sogar geboten?

Schuld ist auch eine bleibende Konstante im Werk des Nobelpreisträgers Günter Grass. Von Alfred Matzerath in "Die Blechtrommel", einem typisch kleinbürgerlichen Parteigänger der NSDAP, bis hin zum Autor selbst, der seine eigene Schuld als Mitglied der Waffen-SS in seiner Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" thematisiert, spannt sich ein weites Feld. Wie Grass haben sich viele Autoren mit dem Kontext zwischen materiellem Elend und seelischer Verkommenheit beschäftigt.

Sind Literaten vielleicht prädestiniert dazu, die gegenwärtige Krise moralisch zu durchleuchten und Auswege aufzuzeigen? Oder sind es eher Kulturwissenschaftler wie Joseph Vogl, dessen Bestseller Das Gespenst des Kapitalismus die brüchige Ordnung der Marktwirtschaft seziert. Fragen, mit der sich die Podiumsdiskussion "Schuld und Schulden: ein ewiger Kreislauf?" beschäftigt.

Das Thesenpapier von Kaevan Gazdar zur Podiumsdiskussion steht ab sofort zum Download bereit.

Roland BergerBuchhandlung Hugendubel